Edelweiss

Edelweiss Blütenökologie

Die scheinbare Edelweiss-Blüte ist nur eine Scheinblüte. Die Schaufunktion entsteht durch die dicht weissfilzigen Hochblätter. Die eigentlichen Blüten sitzen zu vielen Hunderten, in einzelne Blütenkörbe organisiert, inmitten des Sterns beisammen und bilden zusammen mit den Hochblättern eine bestäubungsbiologische Einheit (Superpseudanthium).

Der blendend weisse Schimmer auf den Hochblättern entsteht dadurch, dass tausende kleine Luftbläschen an dem vielfach durcheinander gewirkten, krausen Haar das einfallende Licht reflektieren (Signal für Honig suchende Insekten, außerdem Verdunstungsschutz, sowie Schutz vor Wärmeverlust). Die Arbeitsgruppe um den belgischen Physiker Jean-Pol Vigneron der Universität Notre-Dame de la Paix in Namur hat herausgefunden, dass die Edelweiss-Haare selbst aus parallelen Fasern mit 0,18 Mikrometern Durchmesser bestehen, was in der Größenordnung der Wellenlänge der UV-Strahlung liegt und zu deren Absorption führt. Das übrige Licht wird jedoch hindurchgelassen, sodass Edelweiss Photosynthese betreiben kann.

Bestäuber sind vor allem Fliegen, sowie Hautflügler, Falter und Käfer. Im Tiefland wachsende Pflanzen werden grösser und erscheinen wegen der weniger dichten Behaarung grünlich. Die Scheinblüte bleibt bis in den Winter hinein erhalten.

Mythos Edelweiss

Auch Physiker sind vom Edelweiss fasziniert: Wie übersteht die Pflanze die starke ultraviolette Strahlung in grosser Höhe? Ein Spezialist für die Physik des Lichtes will den Überlebenstrick des Edelweisses herausfinden. Seine Vermutung: Die feinen Härchen schützen die Pflanze vor den UV-Strahlen. Doch das Edelweiss überraschte den Forscher: Die Härchen reflektieren zwar das gesamte Licht des sichtbaren Spektrums, deshalb wirkt der Blütenstern weiss, nicht aber die ultraviolette Strahlung.

Unter dem Elektronenmikroskop zeigt sich: Jedes einzelne Haar ist mit einer winzigen Rillenstruktur überzogen. An der bricht sich die UV-Strahlung, sie wird aber nicht zurückgeworfen. Der weisse Flaum auf der Scheinblüte ist nur einen Viertelmillimeter dick, nicht genug, um die energiereiche UV-Strahlung zu absorbieren. Die Wissenschaftler forschten weiter und stiessen auf einen weiteren Mechanismus. Die Strahlen werden so umgeleitet, dass sie der Länge nach durch die Härchen wandern. Auf dieser langen Strecke wird tatsächlich die UV-Energie einfach geschluckt

Aus der Erkenntnis wollen die Forscher nun Nutzen ziehen: UV-Schutz nach dem Edelweiss-Prinzip für alle möglichen Oberflächen, vom alterungsanfälligen Plastik bis hin zum Lichtschutz für Gemälde. Ihre Ideen gehen noch weiter: Nach dem Bauplan der Pflanze liessen sich auch Oberflächen konstruieren, die nur ein oder zwei Wellenlängen absorbiert. So könnten Materialien entstehen, die farbig strahlen, ohne gefärbt zu sein: Oberflächen in Edelweiss-Blau oder Edelweiss-Rot.

Das Edelweiss, geschützt und begehrt. Nicht nur Bergromantiker und Forscher bekommen nicht genug von der Bergblume – auch die Kosmetikindustrie braucht die Pflanze. Rund 150 Landwirte bauen in der Schweiz in der Nähe von Sion Arznei- und Gewürzkräuter an. Unter anderem auch 5-10 Tonnen Edelweiss jährlich. Die Anbauflächen liegen mehr als 1.500 Meter hoch, weil sich nur in dieser Höhe die antioxidativen Eigenschaften des Edelweisses voll entfalten können.

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